Finanzministerium (Archiv)

Der Bund spart Milliarden durch inflationsgebundene Anleihen

Der Bund hat seit 2006 eine kluge Strategie zur Reduzierung seiner Zinsausgaben umgesetzt, indem er Staatsanleihen ausgegeben hat, die an die Inflationsentwicklung gekoppelt sind. Diese Strategie hat erhebliche Einsparungen in Höhe von 10,5 Milliarden Euro bis Anfang Juni 2023 ermöglicht. Dies geht aus einer aktuellen Vorlage des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervor, über die der "Spiegel" berichtet.

Vergleich von Zinskosten

Die Zinskosten dieser inflationsgekoppelten Anleihen wurden mit denen von konventionellen Anleihen gleicher Laufzeit verglichen. Während diese spezielle Art der Staatsanleihen kurzfristig vorteilhafte Zinsen bieten kann, birgt sie jedoch erhebliche Haushaltsrisiken für die Zukunft, besonders wenn die Inflationsraten steigen. Laut der Vorlage des BMF könnte in einem Szenario, in dem die Inflationsrate bis zur Endfälligkeit im Jahr 2046 bei 2,5 Prozent liegt, ein Mehrausgabenrisiko von 9,1 Milliarden Euro entstehen.

Szenarien und Risiken

Das Finanzministerium hat verschiedene Inflation-Szenarien durchgerechnet, um die Stabilität dieser Anlagestrategie zu bewerten. Ein optimistischeres, aber unrealistisches Szenario wäre eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,05 Prozent bis zur Endfälligkeit. In diesem Fall wären die bisherigen Einsparungen jedoch weitgehend aufgebraucht.

Angesichts dieser Risiken hat der Bund bereits Anfang dieses Jahres beschlossen, keine neuen inflationsgekoppelten Anleihen mehr zu emittieren und bestehende auch nicht mehr aufzustocken. Seit dem Beginn dieser Emissionen im Jahr 2006 hat der Bund inflationsindexierte Wertpapiere im Umfang von 73,3 Milliarden Euro ausgegeben, von denen noch 66,3 Milliarden Euro ausstehen.

Vorsorge und mögliche Herausforderungen

Um sich gegen plötzliche Inflationssteigerungen abzusichern, sorgt der Bund jährlich für Rücklagen, die eine Entschädigung für die Inflation bieten sollen. Sollte die Inflationsrate niedriger ausfallen als erwartet, führt dies zu weiteren Einsparungen. Ein unerwarteter Anstieg der Inflation könnte jedoch zu ungeplanten Ausgaben führen, wenn die bestehenden Vorkehrungen nicht ausreichen.

Diese sorgfältige Abwägung zwischen kurzfristigen Vorteilen und langfristigen Risiken spiegelt die komplexe Natur der Finanzpolitik wider. Es bleibt abzuwarten, wie der Bund in der Zukunft auf Veränderungen der Inflationsrate reagieren wird und ob alternative Strategien zur Kostenkontrolle entwickelt werden.

Originalnachricht:

Bund spart Milliarden mit inflationsindexierten Anleihen

() – Der Bund hat mit Staatsanleihen, die an die Inflationsentwicklung gekoppelt sind, seit 2006 erheblich Zinsen gespart. Die Einsparungen summierten sich bis Anfang Juni auf 10,5 Milliarden Euro, wie aus einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervorgeht, über die der “Spiegel” berichtet.

Dabei wurden die Zinskosten dieser Papiere mit konventionellen Anleihen gleicher Laufzeit verglichen. Allerdings bergen die Papiere in der Zukunft auch erhebliche Haushaltsrisiken, wenn die Preise steigen. “In einem für den Bund schlechteren Szenario mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent bis zur letzten Endfälligkeit 2046 würden sich Mehrkosten von 9,1 Milliarden aus dem Portfolio der bestehenden inflationsindexierten Bundeswertpapiere ergeben”, heißt es in der Vorlage.

Günstiger, aber unrealistischer, ist das Szenario mit niedrigeren Preissteigerungsraten. “Wenn die Inflationsrate in allen folgenden Jahren bis zur Endfälligkeit bei durchschnittlich 1,05 Prozent läge, wären die bisherigen Vorteile wieder aufgebraucht.” Angesichts der Risiken begibt der Bund seit Anfang dieses Jahres keine neuen inflationsgekoppelten Anleihen mehr und stockt alte auch nicht mehr auf. Seit 2006 hat das BMF Wertpapiere dieser Art im Umfang von 73,3 Milliarden Euro ausgegeben, von denen noch 66,3 Milliarden Euro ausstehen.

Jedes Jahr sorgt der Bund für Rückzahlungen vor, die für die Inflation entschädigen sollen. Fällt die Preissteigerungsrate niedriger aus als erwartet, ergeben sich Einsparungen. Steigt die Inflation hingegen plötzlich an, reichen die Vorkehrungen womöglich nicht aus, sodass ungeplante Ausgaben auf den Bund zukommen können.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
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